Foto Edgar Einemann Prof. Dr. Edgar Einemann

Gesellschaftsanalyse

Die Analyse gesellschaftlicher Strukturen und ihrer Veränderung ist zwar ein zentrales Anliegen von Soziologen, ist aber eine interdisziplinäre Aufgabe. Erforderlich ist die Einbeziehung von Ansätzen und Erkenntnissen z. B. aus der Ökonomie, der Politikwissenschaft, der Geschichte, der Philosophie, der Rechtwissenschaften, der Psychologie und auch der Natur- und Ingenieurwissenschaften.

Die Entwicklung eines Begriffs von Gesellschaft und die Erarbeitung zumindest von Elementen ihrer Analyse ist aus vielen Blickwinkeln versucht worden - und kein einfaches Unterfangen. Hilfreich ist es z. B., wenn man in Bezug auf die Analyse kapitalistischer Gesellschaften einmal etwas z. B. von Denkern wie Karl Marx, Max Weber oder Manuel Castells gehört und gelesen hat - die Rezeption nur der zentralen Werke dieser Autoren von jeweils weit über 1.000 Seiten macht aber schon einige Mühe und kann nicht von vielen Menschen erwartet werden.

Ich habe 2014 ein längeres Papier zu einigen (auch für die politische Diskussion) wichtigen Themen der Gesellschaftsanalyse erarbeitet. Das basiert auf meinen Überlegungen und Schriften seit 1975; die einzelnen Kapitel werden auch in Form von Überblicks-Papieren bereitgestellt:

1. Kapitalismus, Marktwirtschaft und Regulierung
2. Global vernetzter digitaler Kapitalismus
3. Technik, Umwelt und Wachstum
4. Klassen, Sozialstruktur und Ungleichheit
5. Bewusstsein, Milieus und Denkmuster
6. Regionen, Standortkonkurrenz und die Städte
7. Die Rolle des Staates und die Demokratie
8. Der Einzelne und die Gesellschaft

 

Trotz aller Schwierigkeiten ist es zumindest für politisch interessierte oder aktive Menschen sinnvoll, zu versuchen, sich einen Begriff von Gesellschaft zu erarbeiten und damit auch Hintergrundwissen zur Einordnung aktueller Entwicklungen zu erlangen. Die Umsetzung nicht einfacher Überlegungen in verständliche Texte oder zeitlich bewältigbare Lernschritte (nicht jeder kann Monate oder Jahre Gesellschaftsanalyse studieren) ist eine nicht einfache Aufgabe. Ich war beteiligt an zwei Projekten, die von den Einzelnen einen erheblichen Zeitaufwand erforderten.

Für Studenten (wie mich) hat es zu Beginn der siebziger Jahre ein entsprechendes Lern-Konzept an der neu gegründeten Universität Bremen gegeben; alle Studierenden der Soziologie, Ökonomie und Rechtswissenschaften wurden zu einem einjährigen "Integrierten Sozialwissenschaftlichen Eingangs-Studium" (ISES) verpflichtet.

Für berufstätige Erwachse hat die Akademie für Arbeit und Politik an der Universität Bremen (mit Dozenten wie mir) am Ende der achtziger Jahre einen zweijährigen Kurs zur gesellschaftswissenschaftlichen Grundausbildung für Nicht-Abiturienten entwickelt.