Foto Edgar Einemann Prof. Dr. Edgar Einemann

Versenkt und Vergessen. Endlager Meeresgrund.

Es handelt sich um einen Dokumentarfilm aus dem Jahr 2013, bei dem auf das „Endlager Meeresgrund“ hingewiesen und rostige Atommüll-Fässer im Ärmelkanal entdeckt werden. Der Film wurde am 23.04.2013 auf ARTE ausgestrahlt; er ist/war bei YouTube zu sehen.

Zwischen 1949 und 1982 wurde radioaktiver Abfall „entsorgt“: Es wurden Fässer mit 100.000 Tonnen Atommüll schlichtweg ins Meer gekippt. Greenpeace hat vor 30 Jahren zunächst erfolglos versucht, diese (später verbotene) Verklappung mit Schlauchbooten zu verhindern. Im SPIEGEL ONLINE werden Untersuchungen (und Antworten der Bundesregierung auf kritische Anfragen) erwähnt,  die angeblich ergeben haben, dass das alles weitgehend ungefährlich ist. Daran gibt es inzwischen aber berechtigte Zweifel, auf die selbst in der WELT ONLINE hingewiesen wird. Das Gift ist in der Biosphäre, bei Fischen und Menschen angekommen.
Die Methode „Ins Meer und weg“ hat zwar System, bietet aber keine dauerhafte Lösung. Dank der Möglichkeiten der Internet-Recherche kann man einen Artikel aus dem SPIEGEL (Heft 39, 22.09.1980) finden, der über tausende von verrottenden Atommüllfässern vor der Küste Kaliforniens berichtet hat. Im Gegensatz zu den ersten Annahmen schwappt das Tiefenwasser dort „an die Badestrände der nahe gelegenen Orte und fließt auch in die Bucht von San Francisco…. Dutzende Unterwasserphotos, die im Auftrag der EPA aufgenommen wurden, zeigen gerissene Metalltonnen und verrottende Zementfüllungen, drum herum tummeln sich die Fische: Die Radioaktivität ist in die Nahrungskette der Meerestiere eingedrungen. Studien für das kalifornische Gesundheitsministerium haben beispielsweise in Dorsch und Barsch, Austern, Muscheln und Schwertfischen verhältnismäßig hohe Alpha- und Betastrahlen nachgewiesen.“
Auf den Internet-Seiten von ARTE ist ein kurzer Film-Ausschnitt zu finden (2:34 Min.), in dem einer der damaligen Greenpeace-Aktivisten sagt, man müsse die Fässer vor die Tür der für die Verklappung Verantwortlichen stellen. Damit stellt sich doch eine Frage für Moral-Philosophen, Juristen und den Ethik-Rat: Wäre das dann ein Verstoß gegen die Menschenrechte? In der Zivilgesellschaft kann das Prinzip „Wie Du zu der Allgemeinheit, so die Allgemeinheit zu Dir“ wohl nicht gelten – aber vor welchem Gericht wird denn verhandelt und ein Urteil gesprochen?
Nun kann man sagen: Was soll die Aufregung, das Versenken von Atommüll im Meer ist doch längst verboten. Aber damit ist das Problem nicht gelöst.  So hatte z. B. ARTE schon in einem Film („Albtraum Atommüll“) darauf hingewiesen, dass sich die Atomindustrie für den Bau von Rohren ins Meer und die „kontrollierte Einleitung“ radioaktiven Mülls (bestimmt jeweils unterhalb der erlaubten Grenzwerte) entschieden hat. Die Öffentlichkeit darf (laut ARTE z. B. in der Nähe des britischen Atomkomplexes bei Sellafield) an sauberen Stränden baden gehen, Radioaktivität sieht man ja nicht und gehäufte Krebs-Fälle (Leukämie, Knochen, Schilddrüse,…) insbesondere bei Kindern sind aus Sicht der Atomlobby die Folge von individueller Schwäche.
Zumindest langfristig sind die Wirkungen der Atompolitik für Umwelt, Tier und Mensch unverträglich. Insofern lohnt sich das Ansehen des Films und die Diskussion der dort vorgestellten Folgen.