Foto Edgar Einemann Prof. Dr. Edgar Einemann

Der Preis der Blue Jeans. 2012. (C. Jentzsch & M. Höft)

Der Film (45 Min.) wurde am 5.3.2012 erstmalig ausgestrahlt (NDR).

Der NDR hat 2012 einen im Internet abrufbaren Film mit dem Titel „Der Preis der Blue Jeans“ produziert, der unter die Haut geht. Es geht um die Hintergründe der Jeansproduktion in China und die in den Fabriken vorherrschenden Arbeitsbedingungen. Man fühlt sich eher an die Beschreibung  der „Lage der arbeitenden Klassen in England“ von Friedrich Engels aus dem Jahr 1845 erinnert als das man an Land denkt, in dem eine kommunistische Partei regiert, die das Wohl von Arbeitern auf ihre Fahnen geschrieben hat(te).
Der NDR bemerkt in seiner Film-Information, dass weltweit die meisten Jeans inzwischen in China produziert werden (600 Mio. pro Jahr), allein 260 Mio. pro Jahr „in Xintang in der südostchinesischen Provinz Guandong, der Stadt, die sich auch "Welthauptstadt der Jeans" nennen darf. Doch dieser inoffizielle Titel bringt statt Wohlstand für alle vor allem Gift, Umweltverschmutzung und Elend mit sich. Ganze Landstriche werden durch die Jeansindustrie verseucht…. Die Arbeiter schuften oft in stickigen, düsteren Hallen, und viele atmen dabei feinste Staubpartikel ein, die durch das gefährliche Sandstrahlen freigesetzt werden. Damit soll das modische Ausbleichen der Jeans erreicht werden, doch es schädigt vor allem die Gesundheit der Arbeiter. Silikose, die sogenannte "Staublunge", bis hin zum Tod kann die Folge sein.“ Beim Bleichen und Färben kommen krebserregende giftige Chemikalien zum Einsatz, gearbeitet wird im Akkord und ohne Schutzkleidung. Es gibt teilweise ohrenbetäubenden Lärm. Die Autoren erklären in einem Interview zum Film: „Wenn man junge Menschen sieht, die ohne jeglichen Schutz mit Chemikalien hantieren, berührt einen das sehr. Oft kommen sie aus Dörfern, die tausende Kilometer von ihrem Arbeitsplatz entfernt sind. Sie haben keine Familie bei sich und leben in kleinen Verschlägen. Oft sind sie um 20 Jahre alt und haben uns erzählt, dass es ihnen doch gut gehe, trotz der Chemie. Von den Spätfolgen, die der unbekümmerte Einsatz der Chemie mit sich bringt, ahnen diese jungen Leute nichts.“ Es gibt faktisch keinen Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.
Gezeigt wird ein Ehepaar, dass in einem Raum von 4 Quadratmetern lebt und im Monat für 30 Doppelschichten (nach 8 Stunden Arbeit und einer einstündigen Pause weitere 7 Stunden Arbeit, ein freier Tag im Monat) einen Lohn von 300 € bekommt. Angesichts der Preissteigerungen bleibt nicht viel Geld über, das (auch für die kleine Tochter) nach Hause geschickt werden kann.
In der Region werden wohl mit Überstunden und Akkord Löhne von 250 € pro Person und Monat erreicht. Die Miete für die Nutzung der heruntergekommenen Behausungen auf dem Firmengelände (Räume mit Etagenbetten, keine richtigen Duschen, bis zu 12 Personen auf 20 Quadratmetern) wird allerdings gleich vom Lohn abkassiert.  
Pro einem Kilogramm Jeans kommen bis zu 200 Liter Wasser beim Waschen zum Einsatz. Zu Wort kommen auch Bewohner aus der Nähe der Fabriken, die über die weitgehend ungeklärten giftigen Abwässer klagen und keine Chance haben, die Verseuchung ihrer Felder und Nahrungsmittel zu verhindern.
Zum Hintergrund wird erläutert, dass der Jeanshandel weitgehend über Hongkong abgewickelt wird. Ein Unternehmen wie KiK, das eine Jeans für 9,99 € verkauft, ermöglicht einem chinesischen Produzenten einen Produktionspreis von 3,10 € pro Hose – es gibt einen enormen Preis- und Kostendruck. Modevorstellungen von „Used“ bis sonst wohin erfordern zusätzlichen Produktionsaufwand unter Einsatz giftiger Substanzen mit negativen Folgen für die Gesundheit der Arbeiter und Umwelt.    
Der Film bietet einen Einblick in das „letzte Glied“ der Kette der internationalen Arbeitsteilung. Die negativen Folgen der Spaltung der Welt und der Arbeitnehmerschaft sind an den Orten der „Billigproduktion“ zu besichtigen. Wir brauchen globale Standards, die eine wie in dem Film gezeigte Ausbeutung von Mensch und Natur verhindern. Dazu gehört sicher der Druck auf die Unternehmen, die die Produkte zu den minimal möglichen Preisen bestellen – aber auch ein Wandel im Konsumenten-Bewusstsein und die (wie auch immer machbare) Unterstützung von denjenigen, die sich gegen den Ruin ihrer Gesundheit und ihrer Lebensbedingungen wehren.