Foto Edgar Einemann Prof. Dr. Edgar Einemann

Bulworth. 1998. (W. Beatty). (PDF)

Der Film aus dem Jahr 1998 hat eine Länge von 104 Minuten; in den Hauptrollen sind Warren Beatty als Senator Bulworth aus Kalifornien und Hale Berry (damals noch nicht Bond-Girl und ohne Oscar-Auszeichnung) als schwarze Bürgerrechtlerin Nina zu sehen.
Ein amtierender US-Senator setzt im Vorwahlkampf (in dem in den Umfragen er einen Rückstand auf seinen Mitbewerber hat) zum Erreichen der Wiederwahl auf klassische Instrumente: im Fernsehen ausgestrahlte Werbespots unter Einbeziehung seiner Familie, Veranstaltungen bei Zielgruppen, Spendengalas (mit sehr hohen Ticketpreisen) zur Finanzierung der Kampagne, Fernseh-Auftritte und Fernseh-Duelle – und er lässt sich bei seiner Kampagne auf Schritt und Tritt von einem Fernsehteam mit einem Ü-Wagen begleiten. Er will die Meinung der Wähler mit Hilfe der Medien beeinflussen und seine Popularität steigern, die Mediatisierung der Politik und die „Veröffentlichung“ des Privaten werden nahezu auf die Spitze getrieben. Es wird allerdings auch immer wieder gezeigt, wie der Senator versucht, den vielen Reportern zu entfliehen.
Der Senator befindet sich allerdings in einer Lebenskrise, plant seinen eigenen Mord und lässt sich vorher noch von Vertretern der Versicherungswirtschaft mit einer Lebensversicherung über 10 Mio. $ bestechen. Wohl im Angesicht seines bevorstehenden Ablebens entscheidet er sich zu einem paradigmatischen Wechsel in seinem Agieren. Er legt vorformulierte Redemanuskripte beiseite und beginnt, seine Erfahrungen und seine Sicht der Dinge ehrlich zu verkünden und nimmt in Kauf, das jeweilige Publikum gegen sich aufzubringen. Der afro-amerikanischen Gemeinde erklärt er die Irrelevanz ihrer Anliegen. Sie werden zwar als Stimmvieh auch für die Demokraten gebraucht, die politischen Entscheidungen fallen aber letztlich zugunsten der Finanziers der Politiker – ganz unabhängig von deren Parteizugehörigkeit, alle werden geschmiert. Er nutzt eine Spendengala zur General-Abrechnung und polemisiert u. a. gegen die Umweltzerstörung sowie gegen die Machenschaften von Banken, Ölfirmen, Rüstungsunternehmen und Versicherungsfirmen. Diese „neue Offenheit“ und die Provokation des eigenen Klientels geht einher mit einem Wandel seines Outfits – er nähert sich persönlich einer schwarzen Bürgerrechtlerin, bekommt Kontakt zu deren Lebenswelt (in die der Film einige Einblicke vermittelt) und übernimmt den Stil von Rappern bis zu dem Punkt, an der im Rapper-Look in einem Fernsehstudio erscheint und gegen die Privilegien der Reichen agitiert.
Die Medien sind auch an der Berichterstattung über Unkonventionelles und Überraschendes interessiert (auch der paradigmatische Wandel eines Senators ist eine Sensation) und der Medien-Hype geht soweit, dass er (auf einer Ebene mit Bill Clinton) in die landesweit bekannt Polit-Sendung von Larry King geholt werden soll. Öffentlich diskutiert wird die überraschende Verhaltensänderung des Senators als möglicherweise besonders geniale Modifikation seiner Wahlkampfstrategie. Am Ende wird der Senator mit großer Mehrheit wiedergewählt, das über die Medien vermittelte neue Bild vom Senator überzeugt das Publikum  – spätestens an dieser Stelle wird klar, dass es sich bei der ganzen Story nur um einen Film handelt.

Die Handlung
Der Film beginnt im Jahr 1996 zum Zeitpunkt der Vorwahlen in den USA; der demokratische Senator Bulworth bemüht sich um seine Wiederwahl in Kalifornien. Gezeigt wird der Senator mit seiner Frau, im Kreise seiner Familie und unter Wählern; eingeblendet wird auch ein Foto von ihm mit Robert Kennedy. Der Kandidat Bulworth hat eine Krise, zappt unmotiviert durch das Fernsehprogramm und hat seine Pizza nicht gegessen. Er befindet sich im Wahlkampf (mit Pressekonferenzen, einem Fototermin mit seiner Frau und dem Sammeln von Spenden), sein Berater verkauft Tickets für eine Veranstaltung mit ihm. Bulworth hat wohl drei Tage und drei Nächte weder gegessen noch geschlafen, muss aber einen Termin mit Lobbyisten aus der Versicherungswirtschaft wahrnehmen, wobei er für die Verhinderung eines den Unternehmen unangenehmen Gesetzes eine Reihe von Versicherungen angeboten bekommt und für sich eine Lebensversicherung über 10 Mio. $ aushandelt. Die persönliche Lebenskrise des Senators hat ein dramatisches Ausmaß: er bestellt einen Mittelsmann, um einen bezahlten Killer zu organisieren, der einen Menschen umbringen soll – ihn selbst.
Die Wahlkampftermine des Senators (und alle seine Bewegungen) werden von einem Fernsehteam mit einem Ü-Wagen begleitet. Er hat einen Auftritt in einer afro-amerikanischen Gemeinde und fährt mit einer großen Limousine vor der Kirche vor. Zu Beginn seiner Rede liegt er das Manuskript beiseite, redet frei und beantwortet kritische Fragen wahrheitsgemäß (wohl weil er glaubt, ohnehin nichts mehr zu verlieren zu haben). Sein Referent ist schockiert und löst einen Feueralarm aus, um die Versammlung zu beenden. Bulworth bekommt spontane Zustimmung – er scheint sich wohl zu fühlen, nimmt eine Mahlzeit zu sich und kommt zu spät seinem nächsten Termin. Er erscheint unter Begleitung des Fernsehens bei einer privaten Party und leistet sich kritische Bemerkungen auch gegenüber seinen Finanziers, die viel Geld für weniger gute Filme ausgeben: „Das Geld verwandelt alles in Scheiße!“.
Er hat die Unterstützung von freiwilligen Helfern (einige Frauen aus der afro-amerikanischen Gemeinde, unter ihnen die schwarze Bürgerrechtlerin Nina) und nimmt sie in seiner Limousine mit. Die Frauen überreden ihn, mit Ihnen zusammen in einen Club zu gehen (auf dem Fernsehschirm im Auto läuft derweil der Wahlkampfspot mit seiner Familie). Der Senator im Anzug ist in dem von Schwarzen dominierten Club eine auffällige Erscheinung – er wird für Clint Eastwood oder einen Fernsehmoderator gehalten. Er tanzt mit Nina, deren Bruder ihn am liebsten rausschmeißen möchte. Als er in Rapper-Manier durch den Club tanzt, bekommen seine Berater eine Krise. Bulworth redet nur noch in Reimen. Der Senator legt am Ende im Club auf und vergisst den Termin für eine Spenden-Gala, den er dann ohne Schlaf wahrnimmt.
Bei dieser Spendengala befindet sich seine Frau mit ihm auf der Bühne. Er legt sein Redemanuskript weg und verfällt in Rapper-Statements. Die im Saal anwesenden Frauen aus der afro-amerikanischen Gemeinde unterstützen ihn auch akustisch. Bulworth kritisiert Banken, Ölfirmen, die Umweltzerstörung, die Misshandlung von Frauen, die Lieferung von Rüstungsgütern und die Weigerung von Versicherungen, zu zahlen. Ein Refrain: „Der Bürger ist der Dumme“. Die Pressevertreter sind überrascht – sie spekulieren über eine neue Wahlkampfstrategie. Währenddessen werden die Schrauben vom Gitter des Hotelzimmers gelöst, in dem der Senator residiert. Nina will ihn aufs Zimmer begleiten, er küsst sie schon im Fahrstuhl. Sie gehen denn doch nicht ins Hotelzimmer, sondern (in Ermangelung des wohl von seinen Referenten versteckten Zimmerschlüssels) ins Auto. Bulworth sieht einen Mann, den er für den Auftragskiller hält, und will diesen über den Mittelsmann abbestellen lassen. Er und Nina fahren zu einer Kirche und werden verfolgt. Bulworth rennt aus der Kirche weg und will untertauchen, sein Referent will sich einen anderen Chef suchen. Es stellt sich heraus, dass Nina den Auftrag hatte, ihn auf den Balkon seines Hotelzimmers mit dem defekten Schutzgitter zu lotsen. Bulworth sagt den Auftrag an den Killer ab, der Mittelsmann will 50.000 $ als Extrahonorar; das wird ihm zwar zugesagt, aber er stirbt anscheinend, bevor er den von ihm beauftragten Killer erreichen kann.
Bulworth will zunächst einmal untertauchen und Nina bietet ihm einen Aufenthalt bei ihrer Familie an. Der Referent des Senators ist davon überzeugt, dass seine Karriere ruiniert ist. Der Senator erscheint mit einem Flecken auf dem Hemd zu einem Fernsehen-Duell und kritisiert dort Honorarzahlungen von reichen Leuten und Lobbyisten auch an Journalisten. Er berichtet über seine eigenen Privilegien und Geldzuwendungen  an Politiker aus beiden Parteien „Es ist ein Club“. Im Fernsehen gehen die Lichter aus und es wird ein (von seinem Referenten hervorgerufener) Stromausfall als langanhaltende „technische Störung“ gemeldet. Die Referenten des Senators koksen und lamentieren, sie sehen bei den anstehenden Wahlen keine Chancen mehr. Aber der berühmte Macher einer politischen Sendung (Larry King) will Senator Bulworth in eine seiner Sendungen holen und glaubt, das Publikum wolle so etwas sehen. Bulworth zerreißt die ihm gereichte Versicherungs-Police in dem Glauben, das von ihm organisierte Attentat auf ihn selbst sei abgesagt – und lernt, dass das keineswegs gesichert so ist.
Es kommt zu einem Medien-Hype, alle wollen Interviews mit dem Senator – aber der haut ab, ist mit Nina im Auto und wird verfolgt. Sie schaffen es, Bulworth bei Ninas Familie (in einer eher weniger noblen Gegend) zu verstecken. Bulworth verlässt das Haus von Ninas Eltern im Rapper-Outfit trotzt einer Warnung vor den Gefahren im Wohnumfeld. Dort wird er Zeuge des Übergriffs eines weißen Polizisten auf einen schwarzen Jugendlichen; er greift ein, wird von einem der Polizisten erkannt und erreicht eine Entschuldigung bei dem Jugendlichen. Der Chef der schwarzen Jugendlichen bietet ihm an, ihn wieder zu Nina zu bringen und erklärt ihm vorher einige Zusammenhänge: er sei aktiv in der Stoff-Versorgungs-Industrie tätig, und die Kinder und Jugendlichen seien seine Soldaten, weil ihnen strafrechtlich wenig passieren könne; die Politik habe nie geholfen und bei Schwierigkeiten kämen die Betroffenen zu ihm.
Bulworth erscheint im Rapper-Outfit in einem Fernsehstudio und wird nach seiner neuen Wahlkampfstrategie befragt. Er antwortet im Rapper-Stil unter Rückgriff auf Reime: Die Reichen werden reicher, die Mittelklasse wird ärmer. Ein Senator braucht Geld, das bekommt er von den Reichen – dafür stimmt er dann, wie die wollen. Chancengleichheit gibt es nur auf dem Papier. Wenn man das Geld der Reichen an Arme geben würde, wäre die Welt besser. Er kritisiert auch noch die Strukturen des Fernsehsenders (u. a.: „Woher haben sie denn all die Frequenzen?“). Er fordert z. B. „eine zeugungstechnische Dekonstruktion der Rassen“. Die Moderatorin bekommt über ihren Ohrhörer offensichtlich ein Signal, im Studio kommt es zu einer Explosion und Bulworth flüchtet. Nina folgt ihm und Bulworth vermutet auch den Auftragskiller in der Nähe – aber sie werden beide „nur“ von Bild-Reportern mit Fotoapparaten belagert. Im Hintergrund ist das Foto der drei Schwarzen mit erhobenen Fäusten auf dem Siegertreppchen bei der Olympiade zu sehen – damals eine Demonstration zu Gunsten der Black-Power-Bewegung. Bulworth erzählt Nina, dass er den von ihm bestellten Killer wohl nicht abbestellen kann; Nina beichtet ihm, dass sie ihn auf den Balkon des Hotelzimmers locken sollte, auf dem die Schrauben vom Gitter entfernt wurden – sie hat ihre Meinung geändert. Sie küssen sich, er schläft tief und fest ein. Der Chef der schwarzen Jugendlichen hat inzwischen so viel Interesse an dem Senator, dass er sogar die Kinder um ihn herum zur Ruhe mahnt, um Bulworth im Fernsehen hören zu können.
Die Frau des Senators ist derweil mit einem anderen Mann im Bett beim Frühstück zu sehen. Am Tag der Vorwahl ist der Senator weggetaucht. Er gewinnt die Wahlen mit großem Vorsprung, und die Presse erscheint vor dem Haus von Ninas Familie. Der Senator kommt irgendwann im Anzug aus dem Haus  – jetzt hatte ihm sein Referent den Rapper-Look empfohlen. Bulworth geht auf die Pressevertreter zu, Nina folgt ihm zögernd mit einiger Verspätung. Sie küssen sich vor laufenden Kameras. Am Ende wird Bulworth  erschossen.